PROGRAMME

SOCIAL HARMONY – Musik unter uns

In der Renaissance- und Frühbarockzeitzeit wurden sämtliche Instrumente in kompletten „Familien“,
vom Sopran bis zum Bass, gebaut. Die bedeutendsten Instrumentenfamilien für das Consort-Spiel
waren die Blockflöte und die Viola da Gamba, aber auch weniger bekannte Instrumente wie Fagotte
waren in Consort zuhören. In ähnlicher Weise sind Geigen unterschiedlicher Größe (Violine, Bratsche,
Tenor- und Bassgeige) Mitglieder einer gemeinsamen Gattung, die aufgrund ihrer gemeinsamen
DNA, aber unterschiedlichen Rollen, eine natürliche Einheit im Dialog darstellten.
Im Frühjahr 1540 holte Henry VIII ein Consort von sechs Geigern aus Norditalien an dem Englischen
Hof. Diese sechs Streicher bildeten den Kern dessen, was im Laufe der Zeit zu einer der
ehrwürdigsten musikalischen Institutionen Englands wurde: eine Violinband, die den aufeinander
folgenden Monarchen bis weit ins achtzehnte Jahrhundert hinein diente. Doch das Violinconsort
blieb nicht auf die Mauern eines Hofes beschränkt und erfreute sich in den verschiedensten
musikalischen Kreisen großer Beliebtheit.
Heute zeichnen wir gemeinsam die Geschichte dieser Kombination von Instrumenten nach – im
Esszimmer, im Schlafzimmer, im Tanzsaal, auf der Straße und im Pub im England des 17.
Jahrhunderts. Gleichzeitig werden wir ein Konzert im Zeichen der Intimität erleben, wie sie nur in
einer Familie zu finden ist: eine Andeutung, ein Augenzwinkern, ein Streicheln, eine Liebkosung, ein
erdiger Rhythmus, all das wollen wir mit Ihnen, in aller Harmonie, teilen.


SOCIAL HARMONY – Musik unter uns – 3 Musiker
  
John Cobb (ca 1600-ca 1667) ​​Almaine – Corant – Corant
Traditional ​​​​„Browning“​
Giovanni Coperario (1570-1626)  ​Fantasia II – Fantasia III
Orlando Gibbons (1583-1625)​​ Fantasia

Thomas Ravenscroft (1588-1635)​ Catch à 3 „Browning“
Thomas Morley (1557-1602)   Do you not know – Deep lamenting – Farewell disdainful
Carlo Gesualdo (1566-1613) ​​Gagliarda del Principe di Venosa

Elway Bevin (1554-1638) ​​Fantasia „Browning“
Henry du Mont (1610-1684)     Pavana – Allemanda
Giovanni Coperario       Non mi date tormento – Amor prega
Henry Purcell (1659-1695)     A ground in Gamut

Thomas Lupo (1571-1627)   Pavan
William Byrd (1543?-1623) ​​ Oh Flatt’ring Speech
William White (1571-1643?)​​ Fantasia
Wiliam Inglot (1553/4 – 1621)​ „The leaves bee greene – Browning“

Veronika Skuplik: Sopran Violine
Prisca Stalmarski: Sopran und Alt Violine
Thomas Pitt: Bass Violine


SOCIAL HARMONY – Musik unter uns – 4 Musiker

John Cobb (ca 1600-ca 1667) Almaine – Corant – Corant
Traditional „Browning“
Giovanni Coperario (1570-1626) Fantasia – Fantasia
Orlando Gibbons (1583-1625) Fantasia

Thomas Ravenscroft (1588-1635) Catch à 3 „Browning“
Henry Purcell (1659-1695) Pavane – Chaconne in g – Fantasia
Carlo Gesualdo (1566-1613) Gagliarda del Principe di Venosa

Elway Bevin (1554-1638) Fantasia „Browning“
Henry Purcell Next, winter comes slowly (aus der Fairy Queen)
John Dowland (1563-1626) Go, crystal tears
William Byrd (1543?-1623) Of Flatt’ring Speech
William White (1571-1643?) Fantasia

Thomas Morley (1557 – 1602) In Every Place
Robert Johnson (1582 – 1633) The Witty Wanton
William Inglot (1553 – 1621) „Browning“

Veronika Skuplik: Sopran Violine
Prisca Stalmarski: Sopran und Alt Violine
Amber McPherson: Tenor Violine
Thomas Pitt: Bass Violine


Auf den Schultern vom RiesenKonzert anlässlich des 500. Geburtstags von G.P. da Palestrina

Veronika Skuplik: Violine
Prisca Stalmarski: Violine – Tenor Viola da braccio
Patrick Sepec: – Cello Piccolo
Thomas Pitt: Bass Violine
Marcin Swiatkiewitcz: Orgel


G.P. da Palestrina (1525-1594) war einer der größten Komponisten und Organisten der italienischen Renaissance und der europäischen Musikgeschichte. Seine Kreativität, geprägt von seinem flämischen Erbe und angetrieben von der Spiritualität des San Filippo Neri, wurde zur musikalischen Verkörperung des Geistes der Gegenreformation. Zu seinen Lebzeiten war er sehr berühmt, doch sein Ruhm wuchs nach seinem Tod noch weiter, und sein Stil – kodifiziert von Johann Joseph Fux in seinem Traktat Gradus ad Parnassum – wurde zu dem Stil, der in den Schulen als „Renaissance-Polyphonie“ und als Vorbild für Perfektion gelehrt wurde.

Anlässlich des 500. Geburtstages von G.P. da Palestrina kommt der Kairos Violin Consort zusammen, um den Meister des römischen Kontrapunkts zu feiern. Im Mittelpunkt des Programms stehen mehrstimmige Stücke, die Teile des Hohelieds vertonen, so wie Surge Propera, Quam Pulchra Es, Vulnerasti Cor Meum sowie Vertonungen derselben Texte bei G.P. Cima (1575 – 1630). Aber auch für Stücke in kleinen und unterschiedlichen Besetzungen wird es reichlich Raum geben, um Musik von Komponisten aufzuführen, die Palestrina mit Bearbeitungen seiner Musik huldigten. So werden solistische Diminutionen über Madrigale von Palestrina – wie Io Son Ferito, Ahi Lasso von G.B. Bovicelli (1550 – 1594) und Vestiva i Colli von Bartolomeo de Selma (1595-1638). Auf dem Programm stehen auch drei Kontrafakta basiert auf Palestrina´s Madrigalen vom polnischen Komponisten Adam Jarzebski (1590-1649).

Die Hommage an Palestrina wird sich jedoch nicht auf die Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts beschränken, sondern bis in die Gegenwart reichen: Auch wir, Musiker des 21. Jahrhunderts, werden mit von uns komponierten Stücken an die Tradition anknüpfen, so wie die selbst Komponierte Diminution für Violine über Palestrina´s Pulchra es, amica mea.

Das Zusammentreffen Musikern von heute, um Palestrina zu huldigen, hat auch einen starken symbolischen Wert: Wir Modernen (…) „seien gleichsam Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen, um mehr und Entfernteres als diese sehen zu können – freilich nicht dank eigener scharfer Sehkraft oder Körpergröße, sondern weil die Größe der Riesen uns emporhebt.“ (Johannes von Salisbury: Metalogicon 3,4,47–50)